Richard Karl Freiherr von Weizsäcker:
(* 15. April 1920 in Stuttgart; † 31. Januar 2015 in Berlin).
Deutscher Politiker (CDU). Er war von 1979 bis 1981 Vizepräsident des Deutschen Bundestages und von 1981 bis 1984 Regierender Bürgermeister von West-Berlin. Von 1984 bis 1994 war er der sechste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. 1985 führte er mit seiner Ansprache zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft einen Paradigmenwechsel der deutschen Vergangenheitspolitik herbei, indem er den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung würdigte. In seiner zweiten Amtszeit wurde er 1990 das erste Staatsoberhaupt des wiedervereinten Deutschlands.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie wiederholt ihre Lehren.

Eine Gesellschaft, die glaubt, sich keine starken und unabhängigen Gewerkschaften erlauben zu können, spricht sich selbst die Berechtigung ab, eine freie Gesellschaft genannt zu werden.

Wer sich nicht traut, für seine Freiheit einzutreten, wird zum Schwarzfahrer unserer freiheitlichen Demokratie.

Der Sozialismus hat zur Zeit keine Konjunktur. Aber ob er seine Funktion als Pendant zum Kapitalismus definitiv beendet hat, bleibt abzuwarten. Er hat Entscheidendes zur Kritik und damit zur Korrektur von Auswüchsen des lernfähigen Kapitalismus beigetragen.

Es gibt genug Politiker, die gerne das Richtige täten, wenn sie nicht wüßten, daß sie gerade weil sie das Richtige tun, die nächste Wahl verlieren werden.

Der Mensch braucht die Natur, die Natur den Menschen nicht. Der Mensch ist Teil der Natur, er ist ihr nicht übergeordnet. Erst wenn er das begreift, hat er eine Überlebenschance.

Freiheit ist Verantwortung und Zumutung, die eigenen Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen, eigene Versäumnisse zu erkennen und für sie einzustehen, Konflikten vorzubeugen, die Freiheit des anderen zu achten.

An drei Dingen erkennt man den Weisen: schweigen, wenn Narren reden; denken, wenn andere glauben und handeln, wenn Faule träumen.

Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst und durch Nichtgebrauch dahinschwindet

Der Satz beschreibt Freiheit nicht als starren Besitzstand, sondern als etwas Dynamisches: Sie ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann dauerhaft “hat”, sondern ein Gut, das aktiv gelebt und ausgeübt werden muss, um zu bestehen. Wer von seinen Freiheiten – etwa der Meinungs-, Wahl- oder Handlungsfreiheit – keinen Gebrauch macht, läuft Gefahr, sie mit der Zeit zu verlieren, sei es durch eigene Passivität, durch Anpassung an äußeren Druck oder weil ungenutzte Rechte politisch leichter beschnitten werden können. Der Gedanke ähnelt dem klassischen Motiv “use it or lose it” und findet sich in ähnlicher Form auch bei anderen Freiheitsdenkern (etwa in der Vorstellung, dass Bürgerrechte “wachsam verteidigt” werden müssen).
Urheberschaft :
Hier wird es interessant, denn die Quellenlage ist tatsächlich uneinheitlich. Das Zitat wird im deutschsprachigen Internet ‘zwei verschiedenen Mitgliedern derselben Familie’ zugeschrieben:
– Carl Friedrich von Weizsäcker (1912–2007), Physiker, Philosoph. und Friedensforscher, Onkel von Richard von Weizsäcker und viele Zitatsammlungen bestätigen das.
– Richard von Weizsäcker (1920–2015), Bundespräsident 1984–1994, Neffe Carl Friedrichs – ebenfalls sehr häufig als Urheber genannt, teils sogar auf seriöser wirkenden Seiten.
Beide Namen tauchen in etwa gleich häufig auf, oft sogar auf verschiedenen Seiten desselben Anbieters mit widersprüchlichen Zuschreibungen. Eine eindeutige Primärquelle – etwa eine konkrete Rede, ein Buch oder ein Aufsatz mit Seitenangabe – konnte ich in den Suchergebnissen nicht finden; es kursiert praktisch nur als loses Zitat auf Zitate-Sammelseiten, ohne Beleg.
Das ist bei den beiden Weizsäckers kein Zufall: Sie werden in Zitatdatenbanken häufig verwechselt, weil sie denselben Nachnamen tragen, beide öffentlich einflussreiche, staatstragende Persönlichkeiten mit intellektuellem Profil waren und beide gerne über Freiheit, Demokratie und Verantwortung sprachen. Richard von Weizsäcker ist zudem für seine berühmte Rede zum 8. Mai 1985 bekannt, in der ähnliche Motive zu Freiheit und Verantwortung anklingen, was die Zuschreibung an ihn plausibel wirken lässt, auch ohne dass sich der genaue Wortlaut dort findet.