Samuel Johnson:
(Lichfield, 18. September 1709 – London, 13. Dezember 1784). genannt Dr. Johnson, war ein englischer Lexikograph, Dichter, Essayist und Literaturkritiker. Zu seiner Zeit war Johnson eine der führenden Persönlichkeiten des literarischen und intellektuellen Milieus in London. Er war ein harter Arbeiter, der sich ständig über seine Faulheit beklagte, ein sozial eingestellter Mann, der von enormen Schuldgefühlen geplagt wurde, und ein übermäßiger Teetrinker. Er war extrem zwanghaft und litt unter seiner Zwangsneurose und seinen Ticks. In der heutigen Zeit würde man bei ihm wahrscheinlich das Tourette-Syndrom diagnostizieren.

Freundschaft ist nicht immer das Ergebnis von Verpflichtungen.

Die Gewohnheit, allen Ereignissen positiv gegenüberzutreten, ist mehr als tausend Pfund pro Jahr wert.

In den untersten Schichten jeder Nation bedeutet Freiheit kaum mehr als die Wahl zwischen Arbeit oder Hunger.

Wie die Liebe wird auch die Freundschaft durch lange Abwesenheit zerstört, auch wenn sie durch kurze Unterbrechungen verstärkt werden kann.

Die Armut ist ein großer Feind des menschlichen Glücks; sie zerstört die Freiheit und macht die Ausübung einiger Tugenden unmöglich und anderer sehr schwierig.

Niemand kann die Früchte des Herbstes schmecken, während sein Geruch sich an den Blumen des Frühlings erfreut.

Man kann nicht alles zugleich haben. Jede Lebensphase und jede Entscheidung bringt ihre eigenen Freuden mit sich, und unvereinbare Freuden lassen sich nicht gemeinsam genießen. Wer an den Blüten des Frühlings (Jugend, Neuheit, Verheißung) verweilt, kann nicht gleichzeitig die Früchte des Herbstes (Reife, Ergebnisse, Errungenschaften) ernten. Das ergänzende Bild im Original – dass niemand seinen Becher zugleich an der Quelle und an der Mündung des Nils füllen kann – verdeutlicht denselben Punkt. Sich für einen Weg zu entscheiden bedeutet, auf andere zu verzichten; der Wunsch, alle Arten von Glück zugleich zu erleben, führt zu Enttäuschung.
Ursprung:
Der Satz stammt aus „The History of Rasselas, Prince of Abissinia“ (1759), einer philosophischen Erzählung über einen Prinzen, der das „Glückliche Tal“ – einen Ort, an dem es an keinerlei Vergnügen mangelt – verlässt, um nach der „Lebenswahl“ zu suchen, die ihn wahrhaft glücklich machen soll. Auf seinem Weg begegnet er Menschen unterschiedlichster Lebensweisen, die sich allesamt als unzufrieden erweisen; das zentrale Thema des Buches ist, dass kein einzelner Lebenszustand vollkommenes Glück gewährt. Der Satz fügt sich in dieses Thema ein: Jede Entscheidung ist mit Kompromissen verbunden.
Der vollständige Wortlaut lautet, soweit ich mich erinnere:
„Kein Mensch kann die Früchte des Herbstes kosten, während er sich am Duft der Frühlingsblüten erfreut; kein Mensch kann seinen Becher zugleich an der Quelle und an der Mündung des Nils füllen.“
Die hier zitierte Fassung ist eine modernisierte Wiedergabe.
Autor:
Samuel Johnson (1709–1784)
Der englische Schriftsteller, Essayist, Dichter, Kritiker und Lexikograf ist vor allem für sein Werk „A Dictionary of the English Language“ (1755) bekannt. Berichten zufolge schrieb er „Rasselas“ in etwa einer Woche, um die Beerdigung seiner Mutter zu bezahlen und ihre Schulden zu begleichen.