Joseph Joubert (1754–1824).
Französischer Moralist und Essayist, bekannt für seine Carnets (Tagebucheinträge), die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden.
Er ist bekannt für:
Stil:
Aphoristisches und fragmentarisches Schreiben – er veröffentlichte zu seinen Lebzeiten praktisch nichts, füllte jedoch jahrzehntelang Notizbücher mit zufälligen Gedanken und Beobachtungen.
Große Kürze und Präzision: Er strebte danach, das Wesentliche einer Idee in möglichst wenigen Worten festzuhalten.
Musikalität und rhythmische Prosa – er legte großen Wert auf den Klang und die Kadenz von Sätzen und betrachtete Stil als untrennbar mit dem Denken verbunden.
Ein meditativer, introspektiver Ton, ohne die satirische Schärfe von Zeitgenossen wie La Rochefoucauld.
Themen:
Ästhetik und Literatur: Joubert schrieb ausführlich darüber, was guten Stil, gute Poesie und gutes Schreiben ausmacht. Er bewunderte klassische Klarheit gegenüber barockem Übermaß.
Moral und Tugend: In der Tradition der französischen Moralisten dachte er über Ehrlichkeit, Freundschaft, Eitelkeit und das gute Leben nach – aber sanfter und weniger zynisch als viele Vorgänger.
Religion und Metaphysik: Er war zutiefst religiös und schrieb auf philosophisch-poetische Weise über die Seele, Gott und das Leben nach dem Tod.
Bildung und Ausbildung: Als ehemaliger Lehrer hatte er viel über die Geistes- und Charakterbildung junger Menschen zu sagen.
Erinnerung und Zeit: Vergänglichkeit, Erinnerung und die Funktionsweise des menschlichen Geistes sind immer wiederkehrende Themen.
Position in der Literaturgeschichte:
Joubert wird oft mit Pascal verglichen (wegen seiner fragmentarischen Tiefe) und später unter anderem von Chateaubriand, Matthew Arnold und André Gide bewundert. Er ist ein Schriftsteller, der nicht viel gelesen hat, aber von denen, die ihn kennen, hoch geschätzt wird.

Wer die Schwäche der Freundschaft nicht hat, dem fehlt auch ihre Stärke.

Es gibt keine Freiheit, wenn nicht ein starker und mächtiger Wille die bestehende Ordnung sichert.
